Ursprung der Kapelle
Sie weiß dir zu erzählen von trüber harter Zeit,
Von Wind und Wettergrollen, von Gram und Herzeleid.
Vor mehr als hundert Jahren zum Dörfchen zog hinaus,
Gewonnen von den Werbern, ein Mann zum blutigen Strauß
Die Feinde sah er fallen von seinem tapfern Schwert,
Hat in des Kampfes Hitze sich wie ein Held bewährt.
Doch als er einst die Wache bezieht in finst'rer Nacht,
Die Liebe zu der Heimat in seiner Brust erwacht.
Ihn fesselt namlos Sehnen, er kann nicht wiedersteh'n,
Muß die geliebten Seinen in dieser Nacht noch seh'n.
Die Waffe legt er nieder, stürmt in die Nacht hinaus
Und in der zwölften Stunde steht er vor seinem Haus.
Wach' auf, du teure Gattin, wach' auf, wach' auf geschwind,
Die Liebe hat gesieget, die Lieb' zu Weib und Kind!
Und aus der Kammer dringet ein freudiges Geschrei:
O, Vater, sei willkommen, jetzt bist du wieder frei!
Ach, schweiget von der Freiheit, sie ward mir nicht gewährt,
Euch heute nur zu sehen hab' ich so heiß begehrt
Und morgen kehr' ich wieder zurück zur Garnison,
Um mit dem Tod zu büßen, daß treulos ich gefloh'n.
Des andern Tages wanket der Flüchtige zurück,
Begleitet von den Seinen ein gutes Wegestück.
Und ehe sie sich trennen im tiefsten Herzensweh,
Verspricht die Frau zu stellen ein Denkaml auf die Höh'.
Ein Kirchlein will sie bauen zum Wege, klein und schlicht,
Auf daß ein Paternoster der Wanderer dort spricht.
Zum Tode ward gepeitschet in Glatz der Deserteur
Und zu den Seinen kehrte der Vater nimmermehr.
Zur Verfügung gestellt von: Franz Rücker, Wendeburg (früher: Johannesberg)
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